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    Wie hält man einen Vortrag?


    Im nachfolgenden sollen einige Hinweise für Studenten zur Vorbereitung und Gestaltung von Vorträgen gegeben werden. In den höheren Semestern muss man doch irgendwann einen Vortrag halten. Wenn man das zum ersten Mal tut, fällt es schwer und man macht vermeidbare Fehler.
    Während meiner Tätigkeit an der Bergakademie Freiberg habe ich eine Reihe von Vorträgen gehört. Dabei waren Vorträge höchster Qualität, sprachlich und inhaltlich höchst anspruchsvoll, bis herab zum stockend und lustlos vorgetragenen Sermon. Einen Vortrag zu halten ist nicht nur eine lästige Pflicht, um deinem Chef einen Gefallen zu tun! Du willst etwas verkaufen. Du willst deine Zuhörer überzeugen, dass du in den letzten Monaten oder Jahren eine gute Arbeit geleistet und interessante Ergebnisse erzielt hast. Schließlich hast du dir diesen Job ausgesucht, du wolltest Chemie oder Angewandte Naturwissenschaft studieren.
    Die klare Präsentation von Ergebnissen, Überzeugen mit Argumenten und die Fähigkeit Sachverhalte zu erklären, sind Zusatzqualifikationen, die dir später mehr nützen können als vieles andere, was du während deines Studiums gelernt hast. Also nimm diese Aufgabe ernst!

    Was ist dein Ziel?

    Die erste Frage ist: Was will ich mit meinem Vortrag erreichen? Ich will die Zuhörer über den Stand meiner Arbeit informieren. Ich will ihnen die interessanten und spannenden Aspekte dieser Chemie nahebringen. Ausgehend von dieser Zielstellung kann ich mir überlegen, wie ich die Ergebnisse darstelle.

    Wer sind deine Zuhörer?

    Bei der Vorbereitung des Vortrages solltest du dich fragen: Zu wem spreche ich? Auf welchem Niveau muss ich Sachverhalte erklären? Man sollte daran denken, dass die Interessen im Fachbereich sehr weit gespreizt sind. Sie reichen von Problemen bei der Dotierung von Halbleitern bis zur Hydrierung von Braunkohlerückständen. Manche wissen nicht, was ein Phasendiagramm ist, andere kennen die Hydrozirconierung mit Schwartz Reagenz nicht. Also müssen bestimmte Begriffe und Zusammenhänge erklärt werden.

    Worüber willst du sprechen?

    Sag deinen Zuhörern zuerst, worüber du überhaupt sprechen willst. Auf keinen Fall: "Ich soll heute einen Vortrag halten..." Sondern etwas wie: "Ich werde heute über unsere Untersuchungen zu ... sprechen." oder "Ich möchte Ihnen die ersten Ergebnisse zur ... vorstellen."

    Gib deinen Zuhörern Informationen über den Aufbau deines Vortrages. Das macht es leichter dir zu folgen. Eine Gliederung auf der ersten Folie ist meistens angebracht. Ganz selten sind solche Themen, in denen sich ein Schritt aus dem anderen zwingend ergibt. Das funktioniert eigentlich nur bei der 15-stufigen Synthese eines Naturstoffes.

    Also: Die erste Folie mit Thema und Gliederung.

    Einleitung / Literaturübersicht

    Zur Einleitung sollte man zuerst die Problemstellung erläutern. Dann kann man eine Übersicht über die aktuelle Literatur zum Thema geben. Typische Synthesemethoden und bekannte Verfahren werden anhand von Reaktionsgleichungen oder einem Schema erklärt. Dazu steht auf der Folie eine Literaturstelle oder der Name des Hauptautors (der mit dem Stern hinter dem Namen). Ein Teil deiner Zuhörer ist mit dem gebotenen Stoff sicher nicht vertraut, dank dieser Übersicht können aber alle verstehen, worum es geht.

    Worüber spricht er jetzt eigentlich?

    Während des Vortrages kann man ruhig noch einmal die Zwischenüberschriften oder den Abschnitt in dem man sich gerade befindet nennen.

    Der Schluß: Bloß schnell raus hier?

    Du bist fertig mit deinem Vortrag? Sage niemals irgend etwas wie: "So, das wars." Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die losen Enden zusammenzufassen, und Schlussfolgerungen für künftige Arbeiten zu ziehen: "Wir haben die Reaktivität von ... untersucht." "Obwohl wir in diesem frühen Stadium der Untersuchungen noch nicht über abschließende Ergebnisse zu diesem Problem verfügen, können wir doch sagen, dass eine Korrelation zwischen..." "Das Zielprodukt konnte zwar nicht hergestellt werden, aber wir können auf Grund unserer Untersuchungen die beschriebenen Synthesewege ausschließen. Für künftige Untersuchungen schlagen wir vor ..."

    Am Ende des Vortrages sollte man sich für erhaltene Unterstützung bedanken: Dein Betreuer hat dir geholfen und dir Mut zugesprochen, wenn es nicht mehr weiter ging. Verschiedene Leute haben Spektren für dich gemessen oder Analysen angefertigt. Die 10 oder 30 Zuhörer haben sich die Zeit genommen, dir zuzuhören. Bedanke dich dafür.

    Vortragstechnik: It’s Showtime!

    Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, trotzdem als Hinweis: Sprich laut und deutlich! Wenn deine Zuhörer dich nicht verstehen, hat es keinen Zweck. Schau in das Publikum, sieh deine Zuhörer an. Es macht einen schlechten Eindruck, wenn der Vortragende auf sein Manuskript starrt, an die Wand spricht oder dem Publikum den Rücken zukehrt.

    Die Zuhörer müssen pro Minute etwa eine Folie erkennen, lesen und verstehen. Deshalb ist es hilfreich, wenn du an der Wand zeigst, worüber du gerade sprichst. Führe Dein Publikum durch deine grafischen Darstellungen, dann versteht man viel besser, worum es geht. Ob du dafür den ausgestreckten Arm, einen Zeigestock oder einen Laserpointer verwendest, musst du selbst herausfinden.

    In den meisten Fällen ist es ungünstig, die Sachverhalte direkt auf dem Overhead-Projektor zu zeigen. Das kann leicht dazu führen, dass man sich während des Vortrages mehr und mehr über den Projektor beugt und der Kontakt zum Publikum verloren geht. Außerdem könnte es ja sein, dass man beim Vortrag etwas aufgeregt ist, und durch die Vergrößerung des Projektors sehen dann alle sehr schön das Zittern der Finger bzw. Bleistiftspitze.

    Konntest du gleich beim ersten Mal schwimmen? Probierst du Schuhe erst an, bevor du sie kaufst? Genauso ist es beim Vortragen. Üben, immer wieder üben ist wichtig. Erst alleine, und wenn du es einigermaßen kannst, mit einem/er Freund/in oder Kollegen/in. Such‘ dir dafür jemanden aus, der auch kritisch seine Meinung äußert.
    Günstig ist es, gleich in dem Raum zu trainieren, in dem die Veranstaltung stattfinden wird. (Bei internationalen Tagungen geht das meist nicht, aber im Clemens-Winkler-Bau ist das abends schon möglich.) Wenn du mit dem Raum vertraut bist, kann das schon mal viel Sicherheit geben. Lass dir von deinem Testzuhörer sagen, was du am Vortragsstil und an den Folien noch verbessern solltest. Günstig ist es außerdem, schon bestimmte Fragen zu trainieren bzw. deinen Zuhörer zu bitten, dich mit Fragen zu löchern. Häufig werden immer wieder die gleichen oder ähnliche Fragen gestellt, z.B. fragt einer immer nach den analytischen Methoden oder nach der technischen Relevanz der untersuchten Synthesen, oder nach Silylenen ...

    Kommst du mit der Vortragzeit hin? Wenn du zu lange brauchst: kürzen! Gute Ergebnisse kann man kurz darstellen. Wenn wirklich einer mehr wissen will, wird er danach fragen. Dann hast du gleich etwas für die Diskussion zum Erzählen.

    Ein Bild ersetzt tausend Worte

    In der Chemie ist es üblich Folien mit Reaktionsgleichungen, Synthesesequenzen, spektroskopischen Daten und Strukturen zu zeigen. Die Folien sollten beim Projezieren auch noch in der letzten Reihe zu lesen sein. Ausprobieren! Als Faustregel kann man angeben: Schriftgröße mindestens 14 pt, besser 16 und 18 pt. Keine exotischen Schriften, sondern einen klar lesbaren Font (z.B. Arial oder Helvetica).

    Seitenlange Tabellen und Diagramme ohne Achsenbeschriftung sind eine Zumutung. Besser sind Balkendiagramme/Tortengrafiken oder andere leicht verständliche Abbildungen. Denke daran: deine Zuhörer haben pro Folie etwa nur eine Minute Zeit um zu verstehen, was du dir in mehreren Monaten erarbeitet hast. Moderne Tabellenkalkulationen wie Excel kombiniert mit Grafikprogrammen (Powerpoint) sind auch an der Bergakademie verfügbar und sollten genutzt werden.

    Spektren kann man abbilden, sie sollten dann aber mit den wichtigsten Informationen beschriftet sein und du musst erklären was auf dem Spektrum zu sehen ist. Aussagen wie: "Anhand dieser 30 Signale im 29Si-NMR konnten wir nachweisen, dass das Produkt selektiv in 10 % Ausbeute gebildet wurde..." sind ohne Wert für den Zuhörer, weil er es nicht nachvollziehen kann.
    Also als Faustregel: Alles, was auf den Folien abgebildet wird, muss erklärt oder besprochen werden! Sonst kann man es weglassen.

    Falls du Abkürzungen auf deinen Folien verwendest, muss die Übersetzung auf der Folie stehen. Außerdem solltest du einmal erklären was das sein soll: Cp*= hapto-5-Pentamethylcyclopentadienyl, salen*= N,N'-Ethylen-bis(2-oxyacetophenoniminat).

    Du entmündigst deine Zuhörer, wenn du einen Teil der Folie abdeckst. Wenn es wirklich so wichtig ist, erst mal einen Teil der Folie geheim zu halten, dann gehört das auf die nächste Folie.

    Laborjargon

    Bezeichne eine Verbindung auf keinen Fall als: "TCNE-Addukt von TCDMS", "Benzyl-Scorpion" oder "tert.-Butyl-Fred".1 Erkläre Deinen Zuhörern was das sein soll! Cool aber völlig fehl am Platz sind auch folgende Aussagen: "Dann habe ich das Lösungsmittel abgezogen" (mit einem Strick?); "Anschließend habe ich das Zwischenprodukt abgeschlenkt" (jetzt kann keiner mehr folgen!). Laborjargon ist sicher nützlich im täglichen Sprachgebrauch, hat aber bei einem Vortrag, bei dem auch "Nichteingeweihte" sitzen können, nichts zu suchen. Wenn deine Verbindungen sehr komplizierte und lange Namen haben, kannst du entsprechende Oberbegriffe verwenden wie: "dieser Eisenkomplex", "diese Cyclohexasilylverbindung".

    Dieser Text ist angelehnt an die Anleitung "How to give a Seminar, version 4.0" von Andrea Sella, aus unserer gemeinsamen Zeit am University College London.




    Kriterien zur Bewertung von Vorträgen

    (Aktualisierung 2010, übernommen von Frau Dr. Tesch)

    Inhalt

    • Strukturierung
    • Anschaulichkeit
    • Informationsgehalt

    Folien

    • Lesbarkeit (Schriftgröße und -farbe)
    • Visualisierung von Fakten

    Akustik

    • Lautstärke
    • Sprechgeschwindigkeit
    • Betonung

    Visueller Eindruck

    • Blickkontakt
    • Gestik
    • Körperhaltung



    1Es gibt eine Karikatur in Adv. Organomet. Chem. mit einem Studenten der sich mit seinem Kolben unterhält: "Alkylidentricobaltnonacarbonyl ist mir zu kompliziert, ich werde dich Fred nennen."

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    • Aktualisierung: 02.12.2010,
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